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Hallo Paul – Hallo Leben – Ein Geburtsbericht

Hallo Paul – Hallo Leben – Ein Geburtsbericht

Heute ist Pauls dritter Lebenstag und gefühlt mein erster!

Auf Instagram hatten einige gefragt, ob ich einen Geburtsbericht schreiben werde und ich habe mir gedacht JA, das mache ich.

Heute scheinen die Nachwehen endlich schwächer zu werden. Ich selbst fühle mich viel fitter, fast auch wie neu geboren, oder zumindest wie auferstanden nach wieder einmal ungefähr 9 Monaten schrecklicher Schwangerschaft. Da kommt der Geburtsbericht doch gerade recht, als Wiedereinstieg ins Leben, in den Alltag und in den Blog.

Wie auch in meiner Schwangerschaft mit Karla hatte ich bei Paul schon recht früh einen geöffneten Muttermund. In dieser Schwangerschaft hatte ich sogar immer mal wieder mit Wehen zu tun – das kannte ich von den ersten beiden Schwangerschaften nicht. Wenn ich allerdings am CTG lag, konnte die Linie kaum flacher sein. Dazu aber später mehr.

Dadurch, dass es mir körperlich und vor allem psychisch auch in dieser Schwangerschaft wieder nicht gut ging, wünschte ich mir ganz fest, dass Paul wie auch die anderen beiden früher zur Welt kommen würde. Mein Zustand war nicht nur eine Belastung für mich selbst sondern auch für meine Kinder, meinen Mann und meine Familie. Natürlich wollte ich nie ein unreifes, früh geborenes Kind zur Welt bringen, aber vielleicht kann mich trotzdem die ein oder andere verstehen, warum ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. So habe ich also in den letzten Wochen jedes kleine Anzeichen als Hoffnung gedeutet, dass es bald los gehen könnte. Und die Zeit verstrich… Oft sprach ich mein Leid bei meiner Hebamme an und sie hatte wirklich vollstes Verständnis. In Absprache mit ihr begann ich mit geburtsvorbereitenden Maßnahmen. Die Wehen die ich hatte nahm ich nie ernst, da mich der Befund auf dem CTG immer wieder so furchtbar enttäuscht hat. Ich hatte wirklich noch kein anderes CTG gesehen, welches eine so flache Linie aufzeigte wie meine. Ich habe mit der Brustwarzenstimulation angefangen, die auch teilweise wirklich Wehen auslöste, habe heiß gebadet und schrecklich widerlichen Wehentee getrunken. Außerdem habe ich Nelkenöl Tampons benutzt. Ich bin überzeugt, es hat mich alles der Geburt näher gebracht, aber es gab keinen eindeutigen Auslöser für Geburtswehen.

Am Abend vom 19. Januar war ich mit meiner Mama und den Kindern noch bei meinem Mann im Restaurant essen. Wir haben auf ein letztes Essen ohne Paul angestoßen. Im Anschluss kam meine Hebamme dann zu Besuch. Sie hat nach meinem Muttermund geschaut, der zu diesem Zeitpunkt etwa 3 bis 4 cm geöffnet war und dehnte und massierte diesen. Außerdem hat sie soweit ich das richtig verstanden habe auch diese Eipollösung (?!) bei mir gemacht. Es war ein bisschen unangenehm, aber ich war bereit wirklich alles in Kauf zu nehmen. Danach machte sie noch eine Wehenmassage auf meinem Bauch und ich hatte tatsächlich Wehen.

Das schöne an der ganzen Sache war, dass meine Hebamme auch in dem Krankenhaus arbeitet, in dem ich entbinden wollte. Sie hatte direkt nach ihrem Besuch dort Nachtschicht und wir sprachen mehrmals darüber, dass wir uns vielleicht gleich im Kreißsaal wiedersehen werden. Ich solle bloß nicht zu spät los fahren. Wenn ich Wehen hätte, würde sie mich mit dem derzeitigen Befund nicht wieder nach Hause schicken.

Die Wehen hielten an, aber wie gesagt – ich hielt sie eigentlich nicht für ausreichend, da ich mit Karla ja quasi wirklich in letzter Minute mit heftigsten Wehen ins Krankenhaus gefahren bin. Ich dachte, es müsse wieder so laufen. Trotzdem überlegte ich die ganze Zeit was ich machen soll. Es war die ganzen letzten Wochen immer so viel Stress zu überlegen wer schnell kommen kann um sich um unsere Kinder zu kümmern, während wir voraussichtlich möglichst schnell ins Krankenhaus fahren. Und jetzt wäre es so einfach. Meine Mutter könnte entspannt kommen, Tobi hatte sowieso fast Feierabend… wenn meine Hebamme doch sagt sie schickt mich nicht nach Hause?! … Ich entschied mich also dafür zu fahren. Tobi kam und ging noch duschen. Meine Mutter kam ebenfalls und wir riefen den Krankenwagen. Ich kam mir albern vor und hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass meine Mutter umsonst bei uns war. Die Wehen die ich hatte waren für mein Empfinden nichts.

Im Krankenhaus angekommen empfing mich meine Hebamme direkt. Ich wurde nochmal untersucht und bekam wieder ein CTG. Auf einem Monitor konnte man alle CTG´s sehen, die gerade in den anderen Räumen liefen und natürlich sah keines so aus wie meins. Eine ziemlich gerade Linie. Ich war so deprimiert und ich kam mir so schrecklich blöd vor. Da kam immer wieder eine Wehe, aber das würde mir ja niemand glauben – man sah ja nichts. Meine Hebamme musste mich sehr oft darum bitten meinen Kopf auszuschalten und bitte nicht so viel Wert auf dieses CTG zu legen. Leichter gesagt als getan. Sie sagte mir dann, dass vermutet wird, dass ich die erste bin, die in dieser Nacht das Kind zur Welt bringt und dabei bereitete sie den Tisch zum Abnabeln des Babys vor. Ich habe zu diesem Zeitpunkt tatsächlich an ihrer Kompetenz gezweifelt, oder zumindest gedacht sie wolle mir nur Mut machen. Allerdings habe ich tatsächlich alle anderen 4 oder 5 Frauen überholt und als erste mein Kind bekommen.

Der Grund für mein ernüchterndes CTG war, dass ich zum ersten Mal Rückenwehen hatte. Und zwar nur dort. Ich hatte die ganzen letzten Wochen so immense Schmerzen im Rücken sobald ich mich zu Hause ein bisschen bewegt hatte, dass wirklich gar nichts mehr ging. Und nun wusste ich: DAS waren Wehen. Das war ganz neu für mich und ich wünsche es niemandem. Rückenwehen sind nämlich viel schmerzhafter als die Wehen, die ich bei den anderen Geburten hatte.

Ich hatte also dann regelmäßige Wehen, aber in den Wehenpausen dachte ich immer noch, ich müsse gleich nach Hause gehen oder bleibe noch viele weitere Stunden im Kreißsaal. Ich lachte und scherzte mit Tobi und fühlte mich einfach fehl am Platz. Zwischendurch untersuchte meine Hebamme mich immer wieder und jedes Mal war der Muttermund weiter geöffnet. Zum Schluss dann auf 8 cm, die sich locker auf 10 cm dehnen ließen. Da aber alles so unglaublich weich war fiel es einfach wieder auf 8 cm zurück. Die Fruchtblase war sehr prall und beim letzten Tasten ging sie dann auch mit einem großen Platsch auf. Ab da ging es angeblich schnell. Von der ersten Presswehe bis zur Geburt von Paul waren es angeblich nur 4 Minuten! Es waren 4 Minuten des Grauens für mich. Ich sollte mich auf die Seite drehen, was mir so gar nicht passte. Ich wollte, wie bei den beiden ersten Geburten, einfach auf dem Rücken liegen bleiben. Meine Hebamme versicherte mir aber, dass es so schneller ginge. Also blieb ich 2 Wehen lang auf der Seite mit dem Versprechen ich dürfe danach auf den Rücken. Ich habe wirklich laut geschrien und wollte das ganze nicht mehr! Naja, es blieb mir natürlich nichts anderes übrig. Vorher wochenlang um die Geburt gefleht und dann einfach einen Rückzieher machen – geht natürlich nicht.

Auf dem Rücken hatte ich dann noch 2 Presswehen und dann ist der Junge Mann heraus geschossen. Ich habe wohl ein bisschen zu doll gedrückt und zu wenig geatmet. Die Hebamme und die Ärztin mussten mich ziemlich lautstark ermahnen und das Kind richtig auffangen.



Ich würde euch gerne sagen, dass ich glücklich und erlöst war, als Paul um 1:34 (angekommen im Krankenhaus waren wir übrigens um kurz nach 23 Uhr) nackig und voller Käseschmiere auf mir lag. Das wäre aber gelogen. Es musste schließlich noch die Plazenta geboren werden. Die Wehen waren noch nicht vorbei. Es wurde noch nach Rissen und Wunden geschaut, was auch weniger angenehm war und die Nachwehen begannen dann auch schon direkt. Erst heute, an Pauls drittem Tag scheinen die Nachwehen weniger und deutlich schwächer zu werden und jetzt endlich kann ich entspannen und mich richtig freuen!

Jetzt geht es endlich wieder los, mein Leben. Ich habe meinen Körper wieder für mich und endlich wieder Energie für meine kleine, tolle Großfamilie und alles drum herum. Auch wieder für euch und den Blog! Es gibt so viel, was blogtechnisch in den letzten Monaten liegen geblieben ist, dass ich eine Menge nach zu holen habe.

Also hört ihr ganz bald wieder von uns. ♥

Bis dann,

 

 

kabloggt
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