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Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind kann alles überwinden [Deine Geschichte]

Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind kann alles überwinden [Deine Geschichte]

-Wenn die Wurzeln tief sind, braucht man den Wind nicht zu fürchten.-

 

Meine Löwenmama…
671 Tage ohne dich….
Wo fang ich an?

 

 

Ich möchte ein paar Gedanken los werden. Sie aus meinem Kopf schreiben, in die Welt hinaus brüllen. Alle sollen erfahren, wie du dein Leben gemeistert hast. Wie du gekämpft hast und dein Herz deinen Kopf besiegt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes…


Alleinerziehende Mutter sein stand definitiv niemals auf deiner Todo-Liste des Lebens. Wer setzt sich sowas schon als Ziel?
Dass dein Leben dennoch anders kam als erhofft, konnte in diesem Ausmaß keiner ahnen.
Mit dir als Mama und meiner großen Schwester war mein kleines Familienglück perfekt.
Meiner Schwester und mir erfülltest du immer so gut es geht alle Wünsche. Unser Geld war immer knapp und du hast so viel es ging gearbeitet. Wenn ich heute an meine Kindheit zurück denke, waren es aber auch nicht die materiellen Dinge, die mir in Erinnerung geblieben sind. Es sind Dinge wie die tollen Kindergeburtstage, die Ausflüge, die selbstgebastelten Karnevalskostüme und dein großes Herz, über die ich gerne erzähle.

Schon kurz nach meiner Geburt hast du der Menschheit das erste Mal dein Löwenmamaherz gezeigt.
Ohrspeicheldrüsenkrebs war die Diagnose. Für dich, trotz Alltag mit Baby und Grundschulkind kein Problem. Nachdem das „Ding“ entnommen worden ist, standst du wieder auf und hast gekämpft. Gekämpft für mich und meine Schwester.
Nicht nur für uns hattest du immer ein offenes Ohr, nicht nur für uns warst du immer liebevoll, verlässlich und ehrlich. Nebenbei erledigtest du alle Aufgaben als Heilerziehungspflegerin mindestens genauso gewissenhaft. Du als Strippenzieherin in unserer kleinen Familie. Volle Kraft voraus!

So ungewöhnlich ist das Ganze ja nicht. Also, dass eine Mama für ihre Kinder da ist und alles organisiert. Auch alleinerziehende Mütter gibt es leider sehr viele. Höhen und Tiefen gibt es in jeder Mutter- Tochterbeziehung.
Doch das, was dich so besonders macht, ist dein Herz, dein Löwenmut, dein Kampfgeist. Ich bewunder dich heute noch und ich erkenne erst heute, jeden Tag mehr, wie sehr du mich zu dem Mensch gemacht hast, der ich heute bin.
Als ich 8 Jahre alt war, kam das Wochenende, welches für uns alles veränderte.
Krampfanfall- blutige Lippe- Krankenhausaufenthalt- Tumor im Gehirn.
Schock! Für Alle! Nur für dich nicht. Du hast dein Schicksal angenommen und dich nicht unterkriegen lassen. Nicht mal mit der Wimper gezuckt! Als wäre nie was gewesen, standest du auf, wie der Phönix aus der Asche. Für dich war klar, das Leben geht weiter, ohne Kompromisse. Schließlich hattest du zwei Kinder im Alter von 8 und 14 Jahren. Aufgeben? Keine Option für dich.
Vielleicht waren dein unaufhaltsamer Mut, dein positives Denken und dein Kampfgeist Gründe dafür, wieso „Das Ding“ so lange ohne Auswirkungen in deinem Kopf existiert hat.

Ganze 8 Jahre blieb die Situation unverändert. Der Tumor „gutartig“ und für dich kaum zu spüren. Okay, du durftest kein Auto mehr fahren, nicht mehr alleine Baden und auch nicht mehr schwimmen gehen. Zu groß war die Gefahr, dass du am Steuer oder im Wasser einen Krampfanfall bekommst. Selbst das nahmst du sehr gefasst und mit Humor. Dann wurde halt umgeplant. Die Bahn war unser neuer Freund und gebadet wurde eh kaum.

Das Jahr 2007 wurde bis dato das schlimmste Jahr in unserem gemeinsamen Leben. Taubheit im rechten Arm und Bein, Sprachprobleme, Konzentrationsstörungen. Alles Indizien dafür, dass „Das Ding“ sich auf einen langen Kampf mit uns vorbereitete.
„Er ist gewachsen und nun nicht mehr gutartig! Operieren leider nicht möglich! Vielleicht suchen sie sich lieber einen Platz im Hospiz!“ – Selbst die harten Worte dieses grausamen Arztes auf der Neurochirurgie nahmen dir nicht den Wind aus den Segeln. Das Leben feiern, mit voller Kraft voraus?! Jetzt erst Recht! Die letzte Zeit auf Erden genießen.

Woher nahmst du nur all den Mut und den Kampfgeist. Die Kraft dich gegen Alles und Jeden zu stellen und der Diagnose zu trotzen?
Auf einer Party mit Freunden dann ein klitzekleines Licht am Ende des Tunnels. Ein Freund von dir kannte einen super Neurochirurgen und versprach für dich alles zu tun, um einen Termin dort zu bekommen. Dann ging alles ganz schnell. 4 Tage später die erste Op am offenen Schädel. 80% des Tumors konnte der Wunderdoc entfernen. Ganze 6 Tage nach der Op liefst du eigenständig nach Hause.
Anschließende Bestrahlung, für dich natürlich kein großes Thema. Es wäre gelogen, wenn ich nicht sagen würde, dass du nicht auch schlechte Tage hattest. Aber du hast immer wieder den Weg raus aus deinen Gedanken und Ängsten gefunden. Raus aus der Verzweiflung, Trauer und den Zukunftsängsten. Viel mehr beschäftigt warst du sowieso mit der Sorge um uns, deinen Kindern. Schwäche zeigen? Niemals! Für dich stand fest, dass du diese Welt nicht verlassen würdest, bis wir Beide auf eigenen Beinen stehen können. Meine Schwester hatte grade erst angefangen zu studieren und meine Schullaufbahn war auch noch nicht beendet.

Von diesem Zeitpunkt begann der lange Weg des Kampfes. Ganze 5 Operationen hast du über dich ergehen lassen. Den immer wieder kehrenden Tumor wieder verkleinern war das Motto.
Und hier ging es nicht um eine einfache Blinddarm OP. Jede Operation dauerte zwischen 6 und 8 Stunden. Zuvor gab es reichlich Untersuchungen, MRTs, Tests und Besprechungsmarathons. Aber weist du noch? Selbst da hast du noch etwas positives gesehen. „Schau mal, sie haben „das Ding“ pink eingefärbt, mit nuklearem Kontrastmittel. Steht mir oder?“
Neben den Ops gab es immer wieder Bestrahlungstermine und Chemotherapien. Naja für dich gab es halt auch noch den Alltag. Lange bist du noch weiter arbeiten gegangen. Hast gefeiert, Freunde getroffen und die Zeit beim Fußball genossen. Unser Leben koordiniert, den ersten Liebeskummer getröstet. Hast dich um andere Schicksale gekümmert und anderen Menschen Mut und Hoffnung geschenkt.
Doch auch dein Kampfgeist würde irgendwann erschöpft sein. Ich mein, du hast gekämpft. Ununterbrochen, über viele Jahre. Nicht für dich. Sondern für uns. Für deine Kinder. Und du hättest es auch noch weiter getan, wenn wir dir nicht gesagt hätten, dass die Entscheidung über eine weitere Chemo ganz allein bei dir liegt. Für uns hattest du genug gekämpft und dich Jahre lang gequält.

Ich kenne niemanden, der es geschafft hat, die Schwestern im Hospiz für 16 Monate zu beschäftigen. Andere Leute liegen 2 Tage im Hospiz, du natürlich mit deiner penetranten Art ganze 16 Monate. Das passt zu dir! Wie sollte es auch anders sein. So kennen wir dich.
Ich glaube an Schicksal und ich weiß, dass du gespürt hast, dass ich an dem einen Freitag vor deinem Tod mein Studium beendet habe. Du bist halt deinem Motto treu geblieben. Ich und auch meine Schwester standen somit auf eigenen Beinen, selbstständig und für das Leben bereit. Wie du es dir geschworen hattest. Kämpfernatur halt.

Heute sitze ich hier und schreibe unsere Geschichte in wenigen Worten auf. Doch all das kann nicht erfassen, welche Wunder du vollbracht hast. Heute weiß ich, dass wir dein Lebenselexier waren. Wir haben dir Kraft und Mut geschenkt. Deine Liebe zu uns war unermüdlich. Auch wenn es manchmal anstrengend war, dass du sechs Mal am Tag anriefst, vermisse ich es heute sehr. Mein Telefon bleibt Stumm.
Ich kann dir nicht mehr erzählen, was ich bis heute alles geschafft habe. Was du mir mit deiner Einstellung zum Leben und deiner Liebe ermöglicht hast. Ja, auch wir haben uns gestritten, diskutiert und uns angezickt. Die ganzen Jahre waren nicht einfach. Für keinen von uns dreien. Du hast mir viel Verantwortung übertragen. Ich hab mich um dich und dein Leben in den letzten 2 Jahren gekümmert. Dich begleitet und alles organisiert. Dich oft besucht, all deinen Nebenwirkungen Folgen, deine Launen und Schikanen, ausgelöst durch den unermütlich wachsenden Tumor ertragen.

Für uns alle war es eine Erleichterung, als du am 1. Juli 2015 für immer die Augen geschlossen hast. Diese friedliche Stille in deinem Zimmer gab mir die Hoffnung, dass du nun an einem besseren Ort mit viel Pizza und Ramazotti bist.

Dieses Bild ist in dem Wald in Holland entstanden, in dem die Asche von meiner Mama im Winde verstreut wurde.

Ich wurde in den letzten Monaten oft gefragt, wie ich all das meistern konnte. Ich hab mein Studium mit Bravur abgeschlossen, nebenbei gearbeitet, mein Leben finanziert und Freundschaften gepflegt, bin über die Trennung meiner ersten Liebe hinweg gekommen, ganze 10 Tage vor deinem Tod. Hab mich auch lange noch um dich und deine finanziellen- und rechtlichen Angelegenheiten gekümmert und gleichzeitig alle deine Mitmenschen auf dem Laufenden gehalten.

Die Antwort auf die Frage ist ganz einfach. Die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind kann alles überwinden. Sogar scheinbar unheilbare Krankheiten. Dessen bin ich mir sicher. Aber auch die Liebe von mir zu dir, hat alle Grenzen gesprengt. Hat es mir ermöglicht, all das zu schaffen. Immer wieder Kraft zu finden und weiter zu kämpfen. Für dich! Weißt du, ich glaube wir haben das gemeinsam gut, wenn nicht sogar sehr wunderbar hinbekommen. Du für mich und ich für dich!

Heute vermisse ich dich sehr. Die ganze Geschichte hat mein Leben geprägt. Du hast mein Leben geprägt.
Ich habe nun die Gewissheit, dass du meinen zukünftigen Partner und meine Kinder niemals kennen lernen wirst. Aber ich bin mir ganz sicher, dass du uns von deiner Wolke aus beobachtest und mit mir lachst und weinst. Dass du auf mich aufpasst und mir Kraft schickst, wenn ich sie brauche. Und du hast mir das beste Geschenk der Welt gemacht. Du hast mir gezeigt was es bedeutet einander zu lieben. Du hast mir gezeigt, das es Liebe gibt und sie alle Grenzen sprengt und dass sie sogar über den Tod hinaus geht. Dafür bin ich dir unendlich dankbar.

Danke für Alles meine Löwenmama!

 

In Liebe,
deine dich liebende Tochter.

 

„Es weht der Wind ein Blatt vom Baum,
von vielen Blättern eines.
Das eine Blatt, man merkt es kaum,
denn eines ist ja keines.
Doch dieses eine Blatt allein
war Teil von unsrem Leben.
Drum wird dies eine Blatt allein
uns immer, immer fehlen.“




Liebe Jana, ich danke dir sehr für Deine Geschichte, und das du den Mut hattest sie aufzuschreiben und mit allen zu teilen.

Wenn DU auch eine Geschichte hast, die erzählt werden soll und thematisch auf meinen Blog passt, zögere nicht und melde dich bei mir unter ka.bloggt@gmail.com

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